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Donnerstag, 10. Oktober 2019

Diary ~ Neues Leben, alte Pläne, Rückblick

Hallo~
Die letzten Sonnenstrahlen dringen durch die hohen, gewölbten Altbaufenster, fallen auf die vollgeschriebenen Tagebuchseiten. Es ist erstaunlich, wie schnell Zeit vergeht und was alles passieren kann:
Als ich die ersten Zeilen zu dieser Website schrieb, war ich in der Oberstufe, mein schlimmstes Schreckgespenst war die Facharbeit und mein Abitur nur ein ferner Schatten. Meine größten Ärgernisse waren lästige Schulaufgaben sowie die beinahe ständige "Nerverei" meiner Eltern; Themen wie Lebensmittelpreise und meine Seltsamkeiten trieben mich in den Wahnsinn.
Natürlich war ich gedanklich bei der Zukunft, sah mich meditierend in einer Wohnung nah beim Studienort in Ruhe Fantasien nachhängen um dann die Eltern zum Mittagessen zu besuchen, welche praktischerweise in der Nähe wohnten. In meinen Gedanken sah ich  eine glänzende Zukunft und das schöne Studentenleben mit Freiheiten könnte nicht früh genug kommen, immerhin war ich in der Zwölften und fast fertig. Verblendet könnte man meine Sicht schon beschreiben, doch das waren wir alle.
Ich war mir sicher, in dieser Stadt mein letztes Weihnachten, Ostern und und und zu feiern. Das Schuljahr endete schneller als ich es realisierte, eventuell lag es auch daran, dass ich den letzten Monat kaum anwesend war und Salzwasserdampf inhalierend wartete, um Besserung meines Reizhustens.
Das Abitur war...unkompliziert. Dies sage ich nicht in dem Sinne, dass es simpel war und ich ohne Anstrengungen es schaffte, Nein, bloß nicht. Ich habe mich auf der anderen Seite aber auch nicht kaputt gelernt und alles erdenkliche gegeben.
Der Zufall war auf meiner Seite, nichtnur, dass meine Wunschkombination aus: Deutsch Geschichte, Chemie, Latein und Einbringung meiner Facharbeit akzeptiert wurde, auch hatte ich meine Prüfungen in langen Perioden voneinander gestaffelt. Zeit war vorhanden.
Sagen wir es so: Die Arbeit der letzten Jahre machten sich bezahlt. Lerntechnisch verbrachte ich den großteil der Zeit damit, mir Dokumentationen über das Altertum und Hitler(Ein Abitur ohne Hitler ist skandalös)  anzukucken; sowie Zusammenfassungen zu lesen.
Ruhe ist im Endeffekt einfach alles. (Auch wenn bei Chemie letztere mir drohte zu entfliehen)
Zusammen mit dem Zufall und einem Sinn für Dramatik. Ja richtig, Dramatik. Bei den Mündlichen Prüfungen voller Begeisterung über die Philosophischen Grundgedanken sprechen und schnippisch über Sokrates spiel mit den Obrigkeiten scherzen.
Man könnte denken: Abitur erfolgreich, Leben perfekt? Dachte ich, doch oh, wie falsch ich war:
Glaubt mir, nach dem Schulabschluss geht es bergab.
Nun steht man da und soll seine mögliche Zukunft wählen. Aber bitte weise! Nicht vergessen, alles kostet Geld; Fehlentscheidungen am meisten.
Ich wollte irgendwas im Bereich Umweltschutz studieren, etwas, womit man etwas verändern konnte. Wobei, vielleicht war das nicht das Richtige: Ich muss an meine Zukunft denken. Also Pharmazie eventuell? Die großen Firmen hätten sicher immer Bedarf, doch will ich das? Hm.
Zurück zum Anfang: Der Studienort sollte möglichst nah an meinem Wohnort liegen. Sachen wie Ozeanforschung oder Wasserwissenschaft fallen damit weg. Was noch? Nun meine Studiendauer sollte kurz sein, damit ist Pharmazie raus. Des Weiteren kann ich auf Mathe und Physik verzichten: Biochemie darf also auch gehen... und so weiter...
Am Ende war die Liste leer. An jedem Studiengang störte mich etwas, nun mich stören viele Dinge in der Welt aber es war doch jedes Mal genug um mich nicht anzumelden.
Seht es so: Auch wenn alle sagen: Probier es aus, wenn nicht, dann nicht. Das alles (Studium, Wohnung, Leben) kostet Geld, viel. Auch will man seine Zeit gut nutzen und sich selbst nicht unglücklich machen.
Am Ende bewarb ich mich auf einen recht spezifischen Studiengang, welcher niemanden was sagt. Richtig gelesen: Einen Studiengang an einer Universität. Während andere so viele Bewerbungen wie möglich verschickten hat Salka einfach auf Risiko gesetzt. Bevor überhaupt die Zusage kam fand ich eine ansprechende Wohnung und unterschrieb meinen ersten Mietvertrag. Nungut, unschlau auf den ersten Blick, im Hinblick auf die Wohnungssituation wieder rum nicht.
Meine erwartete Zusage flatterte bald in meinen virtuellen Briefkasten. An diesem Punkt schien das Leben perfekt und die Bezeichnung "Studentin" war noch ungewohnt aber doch recht genehm.
Je mehr die Zeit voran Schritt und ich mich gewöhnen konnte an die neue Situation umso mehr begann ich meinen Studiengang zu lieben, meldete mich sogar bei den Vorkursen an um bestens vorbereitet zu sein.
Der Fall war tief und plötzlich, anders als ich, hatten meine Eltern mäßig Erfolg ihr Leben zu meinem Studienort zu verlagern. Die Erkenntnis allein in einer fremden Stadt zu sein ließ mich sämtliche Entscheidungen hinterfragen. Ich hätte damit rechnen können. Im Normalfalle hätte ich das Risiko mit einbezogen, doch meine Träumereien sind dem wohl im Weg gewesen.
Die Schuld, Einsamkeit und Verfremdung waren neben der Begeisterung von der Universität bei den Vorkursen meine ständigen Begleiter. Der Umzug verlief daher auch mehr unter Führung meiner Eltern, ach was schreibe ich, komplett. (Ich habe keine wirkliche Idee was in den Taschen und Kisten drin ist)
Nun sind wir hier, ausgelassen habe ich sämtliche persönliche Skandale, Streitereien, Ärgernisse mit Firmen/der Erwachsenenwelt/Allem sowie Haustiere (Ich vermisse mein Aquarium immer noch aufs schmerzlichste)...
Wie soll es weitergehen? Simpel, momentan sehe ich meinem Studienbeginn entgegen, der Rest wird sich mit etwas Ruhe und vielen Teetassen legen. Natürlich hat mein "kleines" Projekt mit Meerjungfrauen in keinster Weise ein Ende gefunden.
Mittlerweile, glaube ich, schätze ich das häusliche Leben im Elternhaus bedeutend mehr, vielleicht weil der Gedanke in mein Apartment einzukehren schlimmer ist als jeder Horrorfilm. Ich versuche es mir abzugewöhnen an dem Essen herum zu meckern alias alle mit meiner "komischen" (Meer)-Diät zu nerven und bemühe mich zu mindestens im Elternhaus mich zurück zu nehmen. Der dahinterliegende Gedanke ist, möglichst viel Zeit gemeinsam zu vebringen bevor ich in meine kalte Studienstadt einkehre, dort kann ich, während ich mein zuhause mit blutendem Herz vermisse, in aller Ruhe mich neben dem Studium mit Meerjungfrauen befassen.
Eins ist sicher: Ihr hört von mir noch einiges!

Blessed Be~
~Salka